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Welsangeln in der Schweiz – mit Klopfholz und Live-Sonar auf Bielersee, Neuenburgersee & Co.

30. Aug.
7 Min. Lesezeit

Ein ruhiger Abend auf dem Wasser. Das Boot driftet langsam, die Ruten sind bereit und der Blick wandert immer wieder auf das Live-Sonar.

Plötzlich erscheint ein grosser Fisch. Tief unter dem Boot steht ein Wels.

Ein paar gezielte Schläge mit dem Klopfholz durchbrechen die Stille. Zuerst passiert nichts. Dann bewegt sich der Fisch. Er löst sich vom Grund. Er steigt. Meter für Meter nähert er sich dem Köder.

Jetzt wird es ruhig im Boot. Keine hektischen Bewegungen. Den Köder sauber präsentieren. Den Fisch beobachten und seine Reaktion lesen. Noch ein Stück … und dann kommt der Einschlag.

Genau diese Momente machen das Welsangeln für mich zu einer der faszinierendsten Arten des Angelns überhaupt.

Seit vielen Jahren bin ich auf unterschiedlichen Schweizer Gewässern unterwegs. Besonders Bielersee, Neuenburgersee, Murtensee, Zihlkanal, Nidau-Büren-Kanal und Aare bieten eine unglaublich abwechslungsreiche Welsangelei. Dabei hat jedes Gewässer seine eigenen Regeln.

Und genau das macht für mich den Reiz aus.


Welsangeln ist mehr als nur auf den Biss warten

Der Wels gehört zu den beeindruckendsten Räubern unserer Gewässer. Seine Kraft ist enorm, sein Verhalten teilweise schwer vorhersehbar und gerade grössere Fische können unglaublich vorsichtig reagieren.

Für mich beginnt erfolgreiches Welsangeln deshalb lange bevor der Köder im Wasser ist.

Ich möchte wissen: Wo stehen die Fische? Welche Tiefe nutzen sie? Sind sie aktiv oder passiv?

Wie reagieren sie auf das Klopfholz? Und welche Köderpräsentation bringt sie letztendlich zum Biss?

Wassertemperatur, Jahreszeit, Wetter, Strömung, Wasserstand und Beutefisch beeinflussen die Angelei. Ein Platz, der gestern hervorragend funktioniert hat, kann heute komplett leer sein.

Deshalb gilt für mich: Nicht die Fische müssen sich unserer Methode anpassen – wir müssen unsere Methode den Fischen anpassen.



Welsangeln am Bielersee

Der Bielersee gehört zu meinen wichtigsten Gewässern.

Seine unterschiedlichen Tiefen, Kanten, Freiwasserbereiche und Strukturen bieten viele Möglichkeiten für die gezielte Suche nach Welsen. Gerade auf einem grossen See ist es wichtig, nicht einfach bekannte Spots abzufahren und darauf zu hoffen, dass dort ein Fisch steht.

Die Suche gehört zur Angelei. Mit moderner Sonartechnik kann ich interessante Bereiche systematisch absuchen und beobachten, ob sich dort Welse bewegen.

Taucht ein interessanter Fisch auf, beginnt die eigentliche Arbeit. Wie tief steht er?

Ist er in Bewegung? Reagiert er auf das Klopfholz? Kommt er zum Köder?

Gerade beim pelagischen Welsangeln am Bielersee können innerhalb weniger Sekunden unglaublich spannende Situationen entstehen. Ein Wels liegt scheinbar uninteressiert tief.

Dann folgen einige Schläge mit dem Klopfholz. Plötzlich löst er sich.

Er steigt mehrere Meter. Und auf einmal steht ein grosser Fisch direkt unter dem Köder.

Dann zählt Erfahrung.


Neuenburgersee – viel Wasser und eine spannende Suche

Der Neuenburgersee stellt beim Welsangeln noch einmal ganz andere Anforderungen.

Die enorme Wasserfläche bedeutet vor allem eines:

Man muss suchen.

Strukturen, Tiefenbereiche, Übergänge und die Position der Beutefische spielen dabei eine wichtige Rolle. Manchmal verbringt man viel Zeit damit, Wasser abzusuchen.

Doch genau deshalb ist der Moment umso intensiver, wenn plötzlich ein grosser Wels auf dem Sonar erscheint. Dann verändert sich die Stimmung sofort. Das Boot wird positioniert. Der Köder kommt auf die gewünschte Tiefe. Das Klopfholz kommt zum Einsatz. Und dann wird beobachtet.

Reagiert der Fisch? Steigt er? Folgt er? Oder dreht er wieder ab?

Gerade auf grossen Gewässern zeigt sich, dass modernes Welsangeln nicht nur aus Technik besteht. Man muss die Informationen auch richtig interpretieren.


Welsangeln am Murtensee

Auch der Murtensee bietet spannende Möglichkeiten für die aktive Welsangelei.

Hier gilt für mich ebenfalls:

Nicht zu lange an einer Idee festhalten. Wenn die Fische nicht dort stehen, wo ich sie erwartet habe, muss ich reagieren. Andere Tiefe. Andere Struktur. Andere Drift. Andere Köderpräsentation.

Genau diese Flexibilität gehört zum erfolgreichen Welsangeln.

Die Fische bestimmen den Tag. Wir müssen herausfinden, was sie uns zeigen.


Zihlkanal – wenn die Strömung mitentscheidet

Im Zihlkanal kommt ein zusätzlicher Faktor ins Spiel:

die Strömung. Fahrrinnen, Kanten, tiefere Bereiche und ruhigere Zonen können für Welse interessante Standplätze oder Zugrouten darstellen. Dabei kann sich die Situation je nach Wasserstand und Strömung deutlich verändern. Gerade hier ist Gewässerkenntnis besonders wertvoll.

Wo können die Fische energiesparend stehen? Wo bewegt sich die Nahrung?

Wo entstehen interessante Übergänge? Wer den Kanal nur als gerade Wasserstrasse betrachtet, übersieht viele Details. Unter Wasser entscheidet häufig eine kleine Kante oder ein Wechsel in der Strömung darüber, ob ein Bereich interessant ist oder nicht.


Nidau-Büren-Kanal – Welse gezielt suchen

Der Nidau-Büren-Kanal bietet wiederum seinen eigenen Charakter. Tiefe, Fahrrinne, Strömung und Strukturen beeinflussen die Position der Fische. Beim aktiven Angeln kann hier eine unglaublich direkte Situation entstehen. Auf dem Live-Sonar erscheint ein Wels. Das Boot wird sauber über dem Bereich gehalten. Der Köder wird positioniert. Dann folgen einige Schläge mit dem Klopfholz. Der Fisch bewegt sich. Er steigt. Noch drei Meter. Noch zwei. Noch einer. Jetzt steht er praktisch am Köder. Und genau dann passiert entweder gar nichts … oder alles auf einmal.

Rute krumm. Bremse läuft. Drill. Genau diese Unberechenbarkeit macht Welsangeln so spannend.


Welsangeln an der Aare

Die Aare verlangt noch einmal eine andere Herangehensweise. Hier spielt die Strömung eine zentrale Rolle. Wasserstand, Geschwindigkeit, Rinnen, Kanten und ruhigere Bereiche beeinflussen stark, wo sich ein Wels aufhalten kann. Ein erfolgreicher Platz bei einem bestimmten Wasserstand kann bei veränderten Bedingungen komplett anders funktionieren. Deshalb muss man einen Fluss lesen können. Gerade diese Herausforderung gefällt mir. An der Aare kann je nach Situation sowohl die aktive Angelei vom Boot als auch ein gezielter Ansitz spannend sein.

Für mich gilt auch hier: Die Bedingungen entscheiden über die Methode.




Pelagisches Welsangeln mit Live-Sonar

Eine meiner liebsten Methoden ist das pelagische Welsangeln mit Live-Sonar.

Diese Art der Angelei ermöglicht einen unglaublich direkten Blick auf das Verhalten der Fische.

Ich sehe nicht nur, dass ein Wels vorhanden ist. Ich kann auch beobachten, was er macht.

Bleibt er tief? Steigt er? Folgt er dem Köder? Stoppt er kurz davor? Oder dreht er einfach wieder ab?

Genau diese Informationen sind unglaublich wertvoll. Denn ein Live-Sonar fängt keinen Fisch von alleine. Es liefert Informationen. Die Entscheidungen muss immer noch der Angler treffen.

Und genau hier kommt Erfahrung ins Spiel.


Richtig klopfen auf Wels

Das Welsangeln mit Klopfholz sieht von aussen einfacher aus, als es tatsächlich ist.

Ein paar Schläge ins Wasser – und der Wels kommt hoch? So funktioniert es leider nicht immer.

Für mich bedeutet richtiges Klopfen vor allem: Rhythmus, Gefühl, Beobachtung und Timing.

Ich klopfe nicht stundenlang im gleichen Rhythmus. Vielmehr arbeite ich mit verschiedenen Serien und Pausen. Dabei beobachte ich die Reaktion der Fische. Manche Welse reagieren bereits auf wenige Schläge. Andere benötigen mehr Reiz. Wieder andere reagieren auf intensives Klopfen überhaupt nicht. Genau deshalb gibt es für mich keinen Klopfrhythmus, der immer funktioniert.

Der Fisch zeigt mir, was funktioniert.


Nicht zu viel klopfen

Ein wichtiger Punkt wird häufig unterschätzt: Man muss auch wissen, wann man aufhören sollte zu klopfen. Wenn sich ein Wels bereits vom Grund gelöst hat und entschlossen zum Köder steigt, kann weiteres Klopfen unnötig sein. Dann möchte ich Ruhe in die Situation bringen. Der Fisch soll sich auf den Köder konzentrieren. Gerade mit Live-Sonar kann man diese Phase sehr gut beobachten.

Der Wels steigt. Kommt näher. Bleibt vielleicht kurz stehen. Jetzt wird es schwierig, nichts zu tun.

Aber manchmal ist genau das die beste Entscheidung.

Ruhe bewahren und den Fisch die letzten Zentimeter machen lassen.



Die richtige Köderhöhe

Beim pelagischen Welsangeln kann die Köderhöhe entscheidend sein. Ich möchte einen Fisch häufig bewusst zum Köder steigen lassen.

Wie weit? Das hängt vom Wels ab. Ein aktiver Fisch kann mehrere Meter aufsteigen. Ein passiver Fisch bewegt sich vielleicht nur wenig. Genau hier ist die Live-Technologie besonders interessant.

Man kann sehen, wie der Wels reagiert und die Präsentation entsprechend verändern. Etwas höher. Etwas tiefer. Kurz bewegen. Stillhalten. Warten. Manchmal entscheiden nur wenige Zentimeter.


Wenn der Wels kommt

Das ist der Moment, für den ich diese Angelei liebe. Auf dem Bildschirm erscheint ein Fisch. Er steht tief. Ein paar Schläge mit dem Klopfholz. Der Fisch beginnt zu steigen. Der Abstand wird kleiner. Vier Meter. Drei. Zwei. Jetzt wird es still im Boot. Der Wels steht unter dem Köder.Der Puls geht hoch. Doch die Hände müssen ruhig bleiben. Noch eine kleine Bewegung. Der Fisch kommt näher. Und plötzlich: BISS! Die Rute lädt sich auf. Der Fisch dreht ab. Die Bremse arbeitet. Innerhalb einer Sekunde wird aus konzentrierter Ruhe ein kraftvoller Drill. Und genau für diesen Moment lohnt sich jede Stunde der Suche.



Erfahrung schlägt Technik

Moderne Technik hat das Welsangeln verändert. Sie ermöglicht uns Einblicke, die früher kaum möglich waren. Aber für mich bleibt eines ganz wichtig: Technik ersetzt keine Erfahrung.

Live-Sonar kann den Fisch zeigen. Das Klopfholz kann einen Reiz setzen. Ein guter Köder kann interessant sein. Doch alles muss zusammenspielen. Bootsposition. Drift. Köderhöhe. Köderbewegung.Timing.

Und vor allem die Fähigkeit, die Reaktion des Fisches richtig zu interpretieren.

Genau das entwickelt sich erst mit vielen Stunden auf dem Wasser.


Mein Anspruch als Angelguide

Als Angelguide möchte ich nicht einfach einen Wels finden und meinem Gast die Rute in die Hand drücken. Ich möchte vermitteln, warum wir etwas machen. Warum suchen wir diesen Bereich?

Warum positionieren wir das Boot genau hier? Warum hängt der Köder auf dieser Tiefe? Warum klopfen wir jetzt? Warum machen wir eine Pause? Warum bewegen wir den Köder plötzlich nicht mehr? Diese Zusammenhänge zu verstehen, macht für mich gutes Guiding aus. Mein Ziel ist, dass ein Gast nicht nur einen spannenden Tag erlebt. Er soll neues Wissen mitnehmen und verstehen, wie modernes Welsangeln funktioniert.


Welsangeln zwischen Bielersee und Neuenburgersee

Bielersee, Neuenburgersee, Murtensee, Zihlkanal, Nidau-Büren-Kanal und Aare bieten unglaublich unterschiedliche Möglichkeiten für die Welsangelei. Grosse Seen. Kanäle. Strömung. Freiwasser. Kanten. Tiefe Bereiche. Jedes Gewässer verlangt andere Entscheidungen. Genau diese Abwechslung hält meine Leidenschaft am Leben. Denn es gibt nicht den einen perfekten Köder. Es gibt nicht den einen perfekten Spot. Und es gibt auch nicht den einen Klopfrhythmus, der immer funktioniert. Man muss suchen. Beobachten. Lernen. Und sich immer wieder anpassen.

Den Wels finden.Richtig klopfen.Die Reaktion lesen.Den Köder perfekt präsentieren.Ruhe bewahren.Und bereit sein, wenn der Fisch zuschlägt. Das ist für mich modernes Welsangeln.

Das ist meine Leidenschaft.


Petri Heil Marc Guugisberg | Fishanddrink.ch

 
 
 

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