WENN NICHT ALLES SO LÄUFT WIE GEPLANT

Aktualisiert: 11. März

Also ich auf Hecht ging und eine Überraschung erlebte


Ich fuhr wie üblich raus auf den See, an meine Lieblingsstelle an der die Hechte beißen. Es war ein Samstag morgen, der Nebel stand noch von der Nacht tief in den Tälern und über dem See. Ich leibe es zu dieser Zeit an den See zu fahren. Wenn noch alles schläft und eine friedliche Ruhe über dem Land liegt, die scheinbar durch die getrübte Sicht des Nebels noch verstärkt wird. Jede Bewegung, jedes Reißverschlusszippen, jedes Auftreten mit dem Fuß im feuchten Boden bekommt eine ganz eigene Klangqualität. Die Sinne sind zu dieser Tageszeit besonders geschärft. Es ist schwer zu beschreiben.



Das Boot war startklar


“Ein Boot ist im Hafen sicherer, aber dafür wurde es nicht gebaut.”


Dieser Spruch von Paolo Coelho kam mir unweigerlich in den Sinn als wir gemeinsam (das Boot und ich) den Liegeplatz verließen und raus auf den See fuhren. Stille, Weite, der sich sanft verflüchtende Nebel und die langsam über dem Horizont aufsteigende Sonne umgaben mich. Die Stille wurde nur von meinem gleichmäßigen und sanften Ruderschlägen und von ein paar Enten in der Ferne unterbrochen. Warst Du schon mal draußen auf dem unberührten See und hast gesehen wie der Schatten, den die aufgehende Sonne wirft, das Gewässer in zwei surreale Hälften teilt. Wunderbar, was das Schauspiel der Natur täglich aufs Neue hervorbringt. Als ich schließlich an meinem verheißungsvollen Angelplatz angekommen bin, war schon fast der ganze See im lichten Gold gefärbt. Bevor ich meine Ausrüstung parat machte, habe ich noch ein Weile diesen Anblick genossen und war ganz bei mir.


Die Zeichen standen ausgezeichnet für einen prächtigen Fang


An dieser Stelle des Sees war der Grund nicht all zu tie. Gerade perfekt für Hechte, die sich gern in der Nähe des Ufers aufhalten Der Köder war also präpariert - eine #Technik wie es schon zu Urgroßvaters Zeiten gemacht wurde - das Blei befestigt, die ausgelotete Länge eingestellt, die Beißzeit perfekt und der hing der Naturköder im Wasser. Jetzt hieß es nur noch warten und die Zeichen unterm der Wasseroberfläche richtig lesen. Noch stand der Schwimmer ruhig auf der Oberfläche.

Doch es dauerte nicht lang und die Pose zog mit einer brutalen Geschwindigkeit ab und die Schnur kam unfassbar schnell ins Laufen. Mir schoss das Adrenalin im gleichen Augenblick in alle Zellen meines Körpers. Das muss ein Gigant sein dachte ich und leis laufen. Dann wurde es ganz plötzlich ruhig. Alles stand still. Ich glaubte den Riesen verloren zu haben. Langsam begann ich damit die "Leine" wieder einzuholen und schlug richtig hart an. Meine Vermutung wurde bestätigt als ich spürte, dass es praktisch keinen Wiederstand gab. Meine Enttäuschung auf einen entgangenen preisverdächtigen Hecht wuchs von Sekunde zu Sekunde.

Und dann hakte die Schnur und schien sich verfangen zu haben. Toll, dacht ich, nicht nur der Fisch geht mir verloren, jetzt verliere ich auch noch das gesamte Vorfach. Ein Unheil kommt eben selten allein.

Doch was war das?


Scheinbar aus dem Nichts, begann es am anderen Ende zu reißen. Erst zaghaft und schließlich immer heftiger, kraftvoll und vehement. Sollte der Gigant doch noch dran hängen. Ich wurde ganz aufgeregt. Also machte ich das, was ein ordentlicher Angler macht wenn er seinen Fang einholen will. Ich zog an und gab nach, bis ich ihn näher und näher an mein Boot holte. Es war ein ganz ordentlicher Fight zwischen mir und dem Großen. Es dauerte eine gefühlte Ewigkeit bis ich ihn zu Gesicht bekam. Doch ich staunte nicht schlecht als ich noch unter der Wasseroberfläche etwas ganz anderes zu Gesicht bekam, als den Raubfisch auf den ich eigentlich hoffte. Ich hatte recht, es war ein kleiner Riese, aber kein Hecht, sondern ein Graskarpfen. Damit hatte ich nicht gerechnet und mir schwante nichts gutes. Ich musste ihm beim Einholen der Schnur mit meinem Drilling, der inzwischen offenbar blank lag, erwischt und mitgerissen haben. Was für eine üble Angelegenheit. Ich beeilte mich so gut ich konnte, um diesem leidlichen Schauspiel ein Ende zu setzen. Meine Vorahnung bestätigte sich schließlich, als ich den friedlichen aber sehr kraftvollen Fisch Kecherte. Der Haken hatte sich in die Flanke des Karpfens festgesetzt und ihn ziemlich verletzt. Für mich war der Ausflug gelaufen. Das ist keine schöne Sache wenn so etwas passiert. Kommt aber tatsächlich ganz selten mal vor.



Ich schreibe hier davon, um auch einmal den unangenehmen Seiten, der ansonsten schönsten Leidenschaft der Welt, Raum zu geben. So großartig Angeln auch ist, sollte wir uns immer vor Augen führen, dass wir auf der "Jagd" sind und damit immer auch eine große Verantwortung tragen. Dabei muss uns auch bewusst sein, dass jederzeit etwas schief laufen kann. Deshalb ist so wichtig, dass wir uns vor jedem Einsatz optimal und gewissenhaft vorbereiten und wissen was und wie wir es tun.


Wie gesagt ich habe dem Leiden schleunigst ein Ende gesetzt und hatte am Ende des Tages unverhoffterweise einen großes Mahl #KarpfenBlau auf dem Tisch stehen.





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